Der ultimative Roadtrip durch BC: Auf in den Norden und ins Yukon über den Stewart-Cassiar Highway

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Eine Fahrt durch ganz BC von unten nach oben ist kein kleines Unterfangen. Immerhin sprechen wir über beinahe 2.000 km, und das ist nur die Hinfahrt. Doch die Belohnung für all die langen Stunden im Auto fällt groß aus: Eine unglaubliche Landschaft, originelle Ortschaften und Kurioses, geschichtsträchtige Siedlungen und Farmhäuser, Wildtiersichtungen und – falls Du mit Freunden unterwegs bist – ein stundenlanger, endloser Strom an Witzen, Gesprächen und Liedern zum Mitsingen. Oh, und einen Schuss hochprozentigen Moonshine…wenn Du Dich denn traust. 

Two people stand on either side of the USA/Canada Border between BC and Alaska.

Die Grenze zwischen Kanada und den USA bei Stewart und Hyder.

Ich trat meine Reise in Victoria an. Nach einer Fährfahrt durch die Gulf Islands und über die Georgia Strait (auch bekannt als Salish Sea), holte ich meine Copiloten in Vancouver ab und fuhr mit ihnen weiter durch die ländliche Gegend des Lower Mainland, über den Coquihalla Pass auf dem Highway 5 und dann runter in die trockenen Täler im Süden des Landesinneren von BC. Die Nacht verbrachten wir in Kamloops, einer Stadt, die etwa vier Autostunden östlich von Vancouver entfernt liegt. Kamloops befindet sich nicht nur am Zusammenfluss von North und South Thompson, sondern dient auch als Knotenpunkt für einige von British Columbias Hauptverkehrsadern. Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, um auf den Highway 97 zu gelangen und uns auf eine lange Fahrt in Richtung Norden nach Terrace aufzumachen.

A woman in shorts and a baseball cap stands in a meadow of tall grass.

Sumpfgebiete am Straßenrand zwischen Houston und Smithers.

Die Fahrt von Kamloops durch das Landesinnere führt an goldenen Graslandschaften vorbei, an am Straßenrand gelegenen Seen, Sumpfgebieten, Plateaus, die von mäandernden Flüssen durchkreuzt werden, und an winzigen Städten entlang des Goldrush Trail, dem wir nordwärts folgen. Während wir immer wieder Halt machten, um uns die Beine zu vertreten, musste ich an jene Pioniere denken, die sich ihren Weg durch die Provinz gebahnt hatten, auf der Suche nach Reichtum oder einem neuen Zuhause. Als wir dann im Granville’s Coffee in Quesnel frische Sandwiches genossen, wurde mir plötzlich die Entfernung bewusst, die wir an einem halben Tag im Auto zurückgelegt hatten, und ich konnte mir nur schwer vorstellen, diese über mehrere Monate hinweg zu Fuß zu bewältigen, dabei neue Wege mit Vorräten im Schlepptau zu beschreiten, den Elementen zum Trotz.

An orange glow from a sunset spreads across a mountain peak.

Alpenglühen in einem Wohngebiet von Hazelton.

Rund um die Siedlung Hazelton konnten wir einen ersten Blick auf jene berühmten Berge des Nordens erhaschen. Die untergehende Sonne tauchte die Gipfel in ein warmes Alpenglühen und als wir für eine kleine Pause hielten, warfen unsere Körper lange Schatten aus. Die Sonnenwende rückte näher und die Tage endeten immer später, je weiter wir gen Norden fuhren. In der Nacht wollten wir es bis nach Terrace schaffen, weshalb wir New Hazelton auslassen mussten, doch ich war traurig, die Totempfähle dort verpasst zu haben.

Snow-capped mountains reflected in still waters.

Entlang des Nisga’a Highway.

Von Terrace aus machten wir einen kleinen Abstecher in Richtung Westen auf dem Nisga’a Highway hoch ins Nass Valley, um das Anhluut’ukwsim Laxmihl Angwinga’asanskwhl Nisga’a zu besuchen, auf Englisch als Nisga’a Memorial Lava Bed Park bekannt. Hier ändert sich die Landschaft grundlegend von den über Seen wachenden Wäldern und Bergen hin zu den kargen und schroffen Feldern eines erstarrten Lavaflusses. Wir machten eine kleine Wanderung über einen der älteren Lavaströme aus unebenem, mit jungen Bäumen übersätem Gestein, dessen Oberfläche von hellen, trockenen Flechten überzogen war. An einer Stelle erklommen wir einen Hügel und gelangten beim Abstieg auf eine große Ebene aus Lavagestein, dessen Grund noch die Formen seines ehemals flüssigen Zustandes offenbarte. Es fühlte sich etwas unheimlich an, war doch die Lava hier erst vor 250 Jahren geflossen.

Über den Cranberry Connector, einer recht gut instand gehaltenen Forststraße, erreichst Du wieder den Highway 97. Wir sind zwar keinen Holztransportern begegnet, doch es kann nicht schaden, langsam zu fahren und an Kurven mit eingeschränkter Sicht zur Sicherheit einmal zu hupen.

A hiker walks through old lava fields.

Beim Wandern durch alte Lavafelder.

Wir können gar nicht anders, als wieder einen Abstecher zu machen, diesmal nach Stewart, einer kleinen Gemeinde, die über eine Fahrt durch eine spektakuläre Küstengebirgslandschaft zu erreichen ist. Die Berge hier sind so zum Greifen nahe, dass Du bequem von Deinem Wagen aus Gletscher erblicken kannst: Der Bear Glacier, kurz vor Stewart, ist vom Straßenrand aus zu sehen, und zum Salmon Glacier ist es nur noch eine kurze Fahrt.

Stewart ist reizend mit seinen alten Holzgebäuden, welche die Hauptstraße säumen, vor der Kulisse schneebedeckter Berge und dem Sumpfgebiet am Eingang in den Portland Canal, einer länglichen Wasserstraße, die vom Pazifik bis hierher reicht. Der Portland Canal spannt sich über die Grenze zwischen den USA und Kanada, und sorgt mit seinem Verlauf dafür, dass die kleine amerikanische Siedlung Hyder geographisch abgeschnitten und nur auf dem Landweg über Stewart zugänglich ist.

Lush green mountains with snow-covered peaks.

Berge auf dem Weg nach Stewart.

An ancient glacier between two snow-covered mountains.

Der Bear Glacier, direkt an der Straße nach Stewart.

A house is nestled within a dense forest, at the base of a snow-covered mountain.

Ein versteckt gelegenes Haus in Stewart vor Bergkulisse.

Wir stellten – einfach um etwas neues auszuprobieren – unser Auto auf der kanadischen Seite ab, passierten den Grenzposten und spazierten nach Hyder, Alaska. Falls Du nicht genügend Zeit hast, um Alaska auf Deiner Reise in den Norden zu besuchen, ist das eine tolle Gelegenheit, um dies von Deiner Liste abzuhaken. Außerdem kannst Du in Hyder “Hyderized” werden. Dieser Initiationsritus findet im Glacier Inn statt, einem entzückend kitschigen Hotel mit Spelunke, das nur einige Schritte von der kanadischen Grenze entfernt liegt. In den Kreis der ”Hyderized” eingeführt zu werden bedeutet, einen Schuss brennenden, hochprozentigen Alkohol auf ex zu trinken, und wiederum dafür mit einer Karte als solcher ausgezeichnet zu werden – und natürlich die zweifelhafte Ehre sich überhaupt eines solchen Unterfangens unterzogen zu haben.

The cozy interior of a diner.

The Glacier Inn, die Heimat der Hyderized.

An jenem Abend hatten wir große Pläne: Wir wollten von Terrace in den Boya Lake Provincial Park fahren und dort campen, doch wurden wir nach der langen Fahrt von der Erschöpfung eingeholt, so dass wir die Nacht schließlich im Northway Motor Inn verbrachten. Und als wir dann bereit waren in unser gemütliches Federbett zu klettern, mussten wir einen Moment innehalten um darüber zu staunen, wie hell der Himmel um 23 Uhr noch leuchtete. Wir wussten, dass eine Reise in den Norden zur Sonnenwende lange Tage mit sich bringen würde, aber wir waren nichtsdestotrotz überrascht, wie wundervoll verwirrend sich so viel Tageslicht anfühlen würde.

Silhouette of a woman sitting on a bed, looking out a window.

Am späten Abend in Dease Lake.

Eine unserer letzten Stationen vor der Grenze zwischen BC und dem Yukon war der Boya Lake Provincial Park. Die Mythen, die wir zuvor über das klare, atemberaubend türkisfarbene Wasser vernommen hatten, stellten sich alle als herrlich wahr heraus. Wir fuhren auf einen der freien Campingstellplätze und genossen unser Mittagessen mit Ausblick.

Turquoise waters lined by a dense forest at the base of a mountain range.

Das klare türkisfarbene Wasser des Boya Lake.

Für die Fahrt von Victoria an die Grenze zum Yukon benötigten wir etwa dreieinhalb Tage. Allerdings verpassten wir in all unserer Eile in den Norden zu gelangen so einige Orte. Das nächste Mal möchte ich mit BC Ferries von Port Hardy (an der nördlichen Spitze von Vancouver Island) nach Prince Rupert fahren, um mehr von den Sehenswürdigkeiten im Norden zu erleben, wie etwa die Totempfähle in Kitwanga und die Canyons um den Telegraph Creek. 

Falls Du Dich entscheidest, die Stewart-Cassiar Route ins Yukon in Angriff zu nehmen, darfst Du nicht vergessen, dass Du in sehr entlegenen Gegenden unterwegs bist – rechne mit eingeschränktem Handyempfang, stell Dich darauf ein, einen platten Reifen selbst auszuwechseln und sorge dafür, dass Du Ersatzkanister mit Benzin dabei hast. In der Regel siehst Du am Straßenrand jede Menge wilder Tiere, darunter Bären und Hirsche. Ein toller Mix aus Musik und Podcasts ist unerlässlich … und jemand, der sich im Hinblick auf den unumgänglichen, hochprozentigen Schuss in Hyder, Alaska freiwillig als Fahrer meldet. 

Erkunde die Routenbeschreibung Stewart-Cassiar Highway und lege mit der Planung für Deinen Roadtrip durch BC los.