Karten
Close-up view of the middle section of three totem poles. In the frame are a human face, a wolf, and a raven.

Das Nisga'a Museum: Indigenes Eigentum zurückführen und Kultur lebendig halten

Teilen  Facebook Twitter pinterest logoPinterest

Durch die Rückführung von Besitztümern und die Nachbildung verlorener Pfähle fordern die Nisga’a nicht nur zurück, was ihnen rechtmäßig gehört, sondern stellen auch sicher, dass ihre traditionelle Lebensweise und ihr Erbe intakt bleiben – eine Kulturreise nach der anderen.

Das Nisga'a Museum | Grant Harder

GEMEINSAM HEILEN

Wenn man auf dem Wanderweg am Ksi Wil Ksi-Baxhl Mihl oder Crater Creek steht, kann man nichts anderes als Ehrfurcht empfinden in Anbetracht der von Bergen gesäumten Landschaft aus Lavafeldern. Diese gewaltige Fläche vulkanischen Gesteins erinnert an den Ausbruch des Tseax-Vulkans um das Jahr 1780. Damals ergoss sich bei einer Reihe von Explosionen heiße Lava in den Tseax-Fluss, wo sie einen Damm bildete und so zur Entstehung des Lavasees führte. Der Lavastrom floss dann weiter nach Norden zum Nass River und füllte die flache Talsohle; dabei zerstörte er mindestens zwei indigene Dörfer und tötete schätzungsweise 2.000 Menschen durch die entstandenen Brände und das, was die Stammesältesten der Nisga’a “giftigen Rauch” nannten.

Die schwarzen vulkanischen Ebenen, die sich über 32 km erstrecken, sind bis zu 12 m tief, und ein Großteil des Gesteins ist inzwischen mit bunten Flechten bedeckt. An einigen Stellen hat sich Erde gebildet und es wachsen Bäume – ein Zeichen dafür, dass das Land allmählich zu heilen beginnt. Die gleiche Heilung erfährt auch das Volk der Nisga’a – etwas, das umso deutlicher wird, je mehr Zeit man im Land der Nisga’a verbringt.

DAS NISGA'A MUSEUM
Vom Schnitzkunstmeister Calvin McNeil etwas über die Geschichte der Nisga’a erfahren | Northern BC Tourism/Christos Sagiorgis
CARVER CALVIN MCNEIL ON THE HISTORY, CULTURE AND PEOPLE OF NISGA’A LANDS

Länge -

ERFAHRE MEHR ÜBER DIE NISGA'A

Die Nisga’a Nation ist eines von Dutzenden kulturell einzigartiger indigener Völker in British Columbia. Sie besteht aus 7.000 Menschen, die über die gesamte Provinz verteilt leben, und umfasst vier Dörfer im Tal des Nass River im nordwestlichen BC. Dieses Tal, in dem das Volk der Nisga’a seit jeher lebt, wurde in den 1880er Jahren zum Staatsgut erklärt. Es dauerte 113 Jahre, bis sich die Regierungen Kanadas und British Columbias mit der Nisga’a Nation einigten und am 11. Mai 2000 das Nisga’a Final Agreement, das erste moderne Abkommen in BC, schlossen.

Das Abkommen räumt dem Volk der Nisga’a Rechte ein, die den Besitz von 2.019 Quadratkilometern Land, eine jährliche Zuteilung von Lachs und anderen traditionellen Nahrungsmitteln sowie die Bereitstellung von Mitteln für Gesundheits-, Bildungs- und Sozialdienste umfassen. Der Vertrag sieht auch die Rückgabe von Kulturgütern und die gemeinsame Verwaltung des Anhluut’ukwsim Laxmihl Angwinga’asanskwhl Nisga’a oder Nisga’a Memorial Lava Bed Park vor.

PLANE DEINE REISE
The Drowned Forest along the Nisga'a Auto Tour | Northern BC Tourism/Andrew Strain

UNTERWEGS AUF DER NISGA’A AUTO TOUR

Ich bin auf der Auto Tour unterwegs, einer selbstgeführten Fahrt durch das Land der Nisg̱a’a, die eine Mischung aus Natur- und Kulturlehrpfad darstellt, und halte an Stopp Nummer 7, Wilp T’aam Lax- Sankw’ax, oder dem Besucherzentrum des Nisga’a Memorial Lava Bed Parks. Dort erfahre ich, dass dies der erste Provinzpark war, der seinen Besuchern die Möglichkeit bot, die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft aus Sicht der Ureinwohner zu betrachten. Es ist dieser subtile Perspektivwechsel weg von der kolonialen Sichtweise, der dazu einlädt, Land und Kultur ganzheitlicher zu betrachten, und der einem ein Gefühl für die tiefe Verbundenheit des Nisga’a-Volkes mit seinem Land vermittelt.

An Stopp Nummer 16, Wilp-Adokshl Nisga’a, dem Nisga’a-Museum, werde ich von Kaitlyn Stephens begrüßt, einer der jungen Museumsführerinnen. Die meisten Mitarbeiter des Museums sind Nisga’a, und da immer mehr junge Menschen für die Museumsarbeit ausgebildet werden, geht man davon aus, dass es irgendwann alle sein werden. Stephens beginnt die Führung durch das Museum mit dem Hinweis, dass die Einrichtung 2011 im Rahmen des Abkommens eröffnet und eigens dafür gebaut wurde, die mehr als 300 Gegenstände der Vorfahren zu beherbergen, die aus dem Canadian Museum of Civilization und dem Royal BC Museum zurückgeführt wurden. Sie erklärt, dass es sich bei den ausgestellten Gegenständen um mehr als um Kunstwerke handelt; stattdessen sind sie eine Verkörperung ihrer Kultur, die alles von moralischen Lektionen über spirituelle Lehren bis hin zu Informationen über die Lebensweise der Nisga’a enthält.

DIE NISGA'A AUTO TOUR
Das Nisga'a Museum | Northern BC Tourism/Christos Sagiorgis

KULTUR VERMITTELN DURCH GESCHICHTENERZÄHLEN

Vor einer Maske stehend, die von einem staatlichen Museum an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurde, teilt Stephens eine Legende mit mir, die ihr erzählt wurde. Vor langer Zeit fingen zwei Kinder Lachse. Das eine Kind stach einem Lachs Stöcke in den Rücken, zündete sie an und warf den Fisch danach zurück in den Fluss. Das zweite Kind schnitt einem Lachs den Rücken auf und steckte Steine hinein, so dass der Fisch auf der Seite trieb. Als die Kinder über die zappelnden Fische lachten, bemerkte sie ein Ältester und warnte sie, die Natur nicht zu missbrauchen. Da begann der Boden zu beben und zu wackeln. Weil die Harmonie der Natur gestört wurde, begann der Vulkan auszubrechen.

Als die Menschen flohen, tauchte ein übernatürliches Wesen auf, das als Gwaxts’agat bekannt ist – verkörpert durch die Holzmaske mit der geraden langen Nase, die wir eben ansehen. Stephens sagt, dass einer oder vielleicht auch zwei Gwaxts’agat ihre langen Nasen dazu benutzten, um das Vordringen der Lava zu blockieren und so das verbliebene Volk der Nisga’a zu retten. „Als Wissenschaftler vor kurzem hier waren, sahen sie eine gerade Linie dort, wo die Lava aufhört. Sie konnten sie sich nicht erklären“, sagt Stephens.

Die Küstengemeinde Gingolx | Grant Harder

Die indigenen Völker in British Columbia und in ganz Kanada mussten im Zuge der Kolonialisierung viele Schrecken ertragen. Sie wurden durch Krankheiten dezimiert, von ihrem angestammten Land vertrieben und ihre Kulturen wurden geächtet. Zur Kriminalisierung ihrer Kulturen gehörte auch die Entfernung oder Zerstörung aller äußerlichen Zeichen ihrer Spiritualität, ihres Erbes und ihrer Kunst. Für das Volk der Nisga’a bedeutete dies, dass ihre monumentalen Haus- und Gedenkpfähle umgestürzt und von Missionaren und indigenen Mittlern mitgenommen wurden, die sie an Händler verkauften. Kleinere Gegenstände, von heiligen bis hin zu alltäglichen Dingen, wurden ebenfalls verkauft, um die Nisga’a zur Anpassung zu zwingen.

Stephens erzählt, dass einige ihrer Leute versucht hatten, Insignien und andere Gegenstände der Vorfahren zu verstecken, aber dabei erwischt wurden. Alles, was versteckt worden war, sei eingesammelt und verbrannt worden. Deshalb, sagt sie, seien sie besser darin geworden, Dinge zu verstecken. „Sie nahmen die gefällten Hauspfosten in ihre Häuser und drehten sie nach innen. Sie vergruben auch Dinge“, sagt Stephens. „Die Leute finden immer noch Dinge, die versteckt wurden.“ Dann zeigt sie mir einen alten Plattenspieler. „Wir haben sogar ihre Technologie benutzt.“ Sie erklärt, dass, wenn ihre Vorfahren ihre eigenen Lieder sangen, jemand Wache stand und „sie schnell eine Platte auflegten, wenn jemand kam.“

Wer Stephens zuhört, wie sie die Gegenstände im Museum erklärt, versteht, warum die Führungen von jungen Nisga’a durchgeführt werden. Die Möglichkeit, von einem Stammesmitglied direkt etwas über die Nation zu erfahren, trägt zwar zum Verständnis zwischen den Kulturen bei, aber noch wichtiger ist das, was mit den jungen Museumsmitarbeitern dabei geschieht. “Wir sind ein Museum, das sich auf das Erzählen von Geschichten konzentriert”, sagt Theresa Schober, die Direktorin und Kuratorin des Museums. „Die Jugendlichen lehren also oft, während sie lernen.“ Sie sagt, dass dies den jungen Menschen helfe, Stolz auf ihre Kultur zu entwickeln und eine Verbindung zu den Älteren aufzubauen.

Zwar sei es wichtig, den Besuchern die Kultur der Nisga’a näher zu bringen („Wo würdest du lieber etwas über die Nisga’a erfahren? Hier oder in einer Institution in Europa?“, fragt Schober), sagt sie, aber dies sei nur ein kleiner Teil der Aufgabe des Museums. „Es handelt sich um Kulturgüter, die zwischen dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert aus dem Tal entfernt wurden.“ Schober fährt fort: „Das Museum gibt den Bürgern die Möglichkeit, sich mit den Besitztümern ihrer eigenen Vorfahren auseinanderzusetzen.“ Schober erklärt, dass das Museum in der Nebensaison für öffentliche Führungen geschlossen bleibe, um dem Volk der Nisga’a die Möglichkeit zu geben, sich wieder mit ihren Besitztümern zu verbinden und fernab der Öffentlichkeit ihre heiligen kulturellen Beziehungen wiederherzustellen – etwas von entscheidender Bedeutung für ihre Heilung.

Kunst und Kultur bewahren im Nisga'a Museum | Northern BC Tourism/Mike Seehagel Sagiorgis

RÜCKFÜHRUNG VON BESITZTÜMERN DER VORFAHREN

Als Verbündete und nicht als Mitglied der Nation sieht Schober eine weitere Aufgabe des Museums darin, Nisga’a-Gegenstände zu identifizieren, die sich in Museen auf der ganzen Welt befinden. „Die Kulturgüter, die das Nisga’a-Museum verwaltet, stammen von nur zwei Institutionen“, sagt sie. Der Plan sehe nun vor, den Platz für die Sammlung zu vergrößern (und ihn hoffentlich nutzen zu können), während gleichzeitig die Datenbanken anderer Einrichtungen durchsucht würden. Eines der Probleme bestehe nämlich darin, dass die Sammler in der Eile, indigenes Eigentum zu erwerben, nicht auf die Herkunft der Dinge geachtet hätten, so dass es wahrscheinlich Nisga’a-Kulturgüter gebe, die falsch beschriftet seien.

Obwohl die Rückführung das ultimative Ziel sein könnte, weiß der Schnitzer Calvin McNeil, dass es vielleicht nicht möglich sein wird, alles zurückzubekommen. In der Schnitzwerkstatt an Stopp Nummer 15 im Dorf Laxg – alts’ap arbeitet McNeil an einer Nachbildung des Adler-Heilbutt-Pfahls von Laay’, einem Ahnenpfahl, der sich derzeit im Museum of Anthropology (MOA) in Vancouver befindet. Der Pfahl wurde vermutlich zwischen 1860 und 1870 von einem Schnitzer namens Oye’a’ aus Nass River geschnitzt und Ende der 1920er Jahre von dem kanadischen Anthropologen Marius Barbeau aus dem Dorf der Git’iks mitgenommen.

Laut McNeil muss der Pfahl eine weite Reise hinter sich haben, nachdem er umgestürzt und den Fluss hinuntergetrieben wurde. Erst 1975 wurden die fragmentierten Überreste von einem Meisterschnitzer der Nisga’a, dem verstorbenen Norman Tait (20. Mai 1941 – 21. Mai 2016), wieder zusammengesetzt und restauriert und dann im MOA ausgestellt. Laut McNeil fehlen noch immer Teile des Pfahls, darunter der Mittelteil, die dekorative Kiste, die von Hagwi’look’am ts’im-aks (Mann Darunter) gehalten wird, mehrere geschnitzte Klauen und der Adler an der Spitze des Pfahls.

Die Weitergabe von Wissen von Vater zu Sohn | Northern BC Tourism/Christos Sagiorgis

Genau wie Tait sucht McNeil also nach Hinweisen in historischen Fotografien und Gemälden und verwendet gleichzeitig aktuelle Fotos vom MOA, um die von Oye’a und Tait geschnitzten Linien nachzuverfolgen. Während er spricht, hebt McNeil einen der Arme von Hagwi’look’am ts’im-aks auf. Es sei ihm nie gelungen, ein gutes Foto von der Kiste zu bekommen, die Hagwi’look’am ts’im-aks in der Hand hielt. Stattdessen habe er ein altes Foto, das die schlecht gemachte Kopie des Originals zeige – aber er sagt, dass er die Erlaubnis des angestammten Besitzers des Pfahls bekommen habe, „Nisga’a it“ zu machen und ihn so zu schnitzen, dass die Formlinie korrekt ist. Die nächste Herausforderung bestehe nun darin, die Gelenkarme nach einem Foto zu bauen. „Keiner der Schnitzer, mit denen ich gesprochen habe, weiß, wie man das macht (die klappbaren Arme). Das ist seit 200 Jahren nicht mehr gemacht worden.“

„Aber sie sagen, ich kann es“, fährt er fort, „also werde ich dem Protokoll folgen und auf den Prozess vertrauen. Ich glaube, dass mir die Vorfahren genug Hinweise hinterlassen haben, um weiterzumachen.“

„Wenn dieser Pfahl aufgestellt wird, wird er unsere Geschichte noch einmal erzählen“, sagt McNeil. „Indem ich ihn als Replik schnitze, bringen mir die Vorfahren als Schnitzer bei, wie ich eine Geschichte erzählen kann, die ich nicht kenne.“

Obwohl McNeil sagt, dass er lieber den Originalpfahl mit nach Hause nehmen würde, weil er kulturell als sein Vorfahre gelte, glaube er, dass die Arbeit an der neuen Nachbildung ein wichtiger Schritt im Heilungsprozess seiner Nation sei, genauso wie der Zugang zu den Gegenständen im Museum wichtig sei. „Unsere Großtanten haben immer gesagt, dass, wenn unsere Pfähle nach Hause kommen, wenn unsere Besitztümer nach Hause kommen, all die Geschichten und unsere Identität zu uns zurückkehren werden.“

Er fährt fort: „Indem wir also versuchen, unsere Kunstwerke zu kopieren, indem wir die Gesetze und Protokolle befolgen und sie mit der Jugend teilen, kommt etwas von dem zurück, was verloren war.“

SCHNITZWERKSTATT

ACHTSAM REISEN: EIN WORT VON DEN NISGA'A

Komme mit offenem Geist und Herzen. Wir sind sowohl eine eigene und selbstverwaltete First Nation als auch stolze Einwohner British Columbias und Kanadas. Teil der Freude, wenn man fremde Länder bereist ist es, sich mit der dortigen Geschichte und Kultur zu befassen. Wir Nisga’a sind bekannt für unsere Gastfreundschaft, Neugier und Freundlichkeit. Wir hoffen, dass deine Zeit bei und mit uns deinen Geist erwecken und dich bereichern wird. Denke daran: Wir alle sind miteinander verbunden – alles und jeder.

Bevor du dich auf den Weg begibst und ins Land der Nisg̱a’a reist, bereite dich ein wenig vor – du betrittst unser Heimatland.

Bitte beachte folgende Punkte während deines Besuches:

  • Respektiere alle Hinweisschilder.
  • Angeln sowie Touren ins Hinterland sind nur mit Genehmigung der Nisg̱a’a Lisims-Verwaltung erlaubt.
  • Betrete nicht ohne vorherige Einladung oder Zustimmung jemandes Grundstück oder Haus.
  • Frage nach Erlaubnis, bevor du Fotos von Personen und/oder pts’aan (Totempfähle) machst.
  • Halte dich an Absperrungen: Bitte gehe, wandere, fahre, parke oder campe nur dort, wo es erlaubt ist.
  • Nimm Rücksicht auf Tiere und halte sicheren Abstand.
  • Du darfst gerne Fragen stellen.

ERLEBE DAS LAND DER NISGA'A

BEGINNE MIT DER PLANUNG DEINER BC-REISE

AN- & RUNDREISE

Alle Wege führen nach British Columbia: per Flugzeug, Auto, Zug oder Fähre.

LOS GEHT'S
UNTERKÜNFTE

Von Fünfsterne-Hotels über malerische B&Bs hin zu einfachen Campingplätzen gibt es eine große Bandbreite.

SCHLAFEN GEHEN
WETTER

Erfahre, was Dich in der Stadt und auf dem Land erwartet.

VORHERSAGE UND MEHR