Schützenswerte Schätze: Die UNESCO Welterbestätten von British Columbia

Teilen  Facebook Twitter

Im gedämpften Licht der Abenddämmerung senkt unser Guide seine Laterne, so dass das flach einfallende Licht auf der glatten Oberfläche eines Felsens eine Spur fossiler Fußabdrücke von Dinosauriern sichtbar werden lässt – so detailreich, dass sogar die raffinierte Struktur der Haut dieser Urwesen sichtbar wird.    

Die von zwei Jugendlichen im Jahre 2002 zufällig beim Tubing auf einem nahegelegenen Fluss entdeckten Spuren gelten als erster bedeutender Fund am Fuße der Rocky Mountains im Norden von BC, in der Nähe von Tumbler Ridge. Seitdem wurden Dutzende weitere Funde gemacht, darunter auch eine Vielzahl von Dinosaurierknochen (die ersten in BC und ältesten in Westkanada) sowie eine Fülle von triassischen Fischen und Meeresreptilien. Diese können Besucher in der Tumbler Ridge Museum’s Dinosaur Discovery Gallery besichtigen. Das Museum ist auch der Ausgangspunkt für Wandertouren zu den Dinosaurierfährten in der Umgebung.

Tumbler Ridge Geopark. Photo: Louis Gabriel Kéroack

Tumbler Ridge Geopark. Foto: Louis Gabriel Kéroack

Die Entdeckung der Jugendlichen brachte die einzigen Wirbeltier-Paläontologen British Columbias in den Ort, um ein Forschungszentrum aufzubauen. Dies wiederum veranlasste den Arzt des kleinen Ortes, Charles Helm, gemeinsam mit 20 weiteren engagierten Bürgern die regelmäßig hier entdeckten Fossilienfunde, darunter ein 10 Meter hoher, 75 Millionen Jahre alter Hadrosaurier, ebenso wie die spektakulären Berglandschaften der Region mit ihren Felsformationen, Canyons und unzähligen Wasserfällen publik zu machen.  

Sie bauten ein Wegenetz zu 50 geologischen Stätten auf, um Besucher anzulocken und so zu verhindern, dass das unter der Schließung seines letzten Kohlebergwerks leidende Tumbler Ridge zur Geisterstadt verkommt. “Es kommen kontinuierlich neue Funde ans Licht.”, sagt Helm. “Wir erkunden, entdecken, unsere Paläontologen liefern die wissenschaftliche Einschätzung und als nächstes folgt dann die Ausstellung im Museum”, fügt er hinzu. “Die hohe Frequenz der Entdeckung und Präsentation der Funde sorgt für eine dynamische und spannende Atmosphäre.”

Helm, seine Kollegen und Paläontologen reichten ihr einzigartiges Reiseziel für die Auszeichnung als Globaler Geopark der UNESCO ein, welche geologische Vielfalt mittels gemeinschaftlicher Initiativen fördert, und die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte feiert, indem sie den Umweltschutz und nachhaltige Entwicklungsmodelle unterstützt.

Im September 2014 wurde Tumbler Ridge als 111ter Globaler Geopark der Welt ausgerufen, und als zweiter Nordamerikas nach dem Stonehammer Park in New Brunswick. Der Bedeutung von British Columbias dynamischen, vielfältigen und natürlichen Schätzen trägt die UNESCO bereits seit langem Rechnung. Mit Tumbler Ridge lockt nun ein Neuzugang neben einer Reihe weiterer außergewöhnlicher Stätten, die über die gesamte Provinz verteilt sind.

1. Burgess Shale

A 505 million year-old fossil in Yoho National Park's Burgess Shale. Photo: @meeshull via Instagram

Ein 505 Millionen Jahre altes Fossil im Burgess Shale des Yoho National Park. Foto: @meeshull via Instagram

Zu den weiteren Frühbeeten des Lebens auf der Erde zählt ein Meeresgrund aus Urzeiten, der auf einem hohen Bergrücken der Kanadischen Rocky Mountains im Yoho National Park zu finden ist. Burgess Shale gilt als eine der bedeutendsten Fossilfundstellen des Planeten. Schnüre Deine Schuhe und begib Dich mit einem Naturführer von Parks Canada auf eine Wanderung, um die 505 Millionen Jahre alten Fossilien von so manch bizarren wirbellosen Organismen zu entdecken und in den Händen zu halten.   

Dabei kannst Du nicht nur die Knochen erkennen, sondern auch die Schalen und Zähne von “Steinkäfern”, wie diese von den Eisenbahnarbeitern, die sie in den 1880er Jahren entdeckten, getauft wurden. Sichtbar sind auch Muskeln, Kiemen und der Verdauungsapparat, was wiederum den Wissenschaftlern eine neuartige Möglichkeit eröffnete diese Wesen, zum Großteil Arthropoden, und deren Leben in einem Meer zu untersuchen, dessen Grund über Jahrmillionen hinweg verworfen, gefaltet und auf den heutigen Berggipfel gehoben wurde.  

2. Die Parks der Canadian Rocky Mountains

Burgess Shale liegt zwar im Yoho National Park, doch an der Stelle sei erwähnt, dass der gesamte Yoho Teil eines weitläufigen UNESCO Welterbegebiets namens Canadian Rocky Mountain Parks ist. Dieses besteht aus mehreren zusammenhängenden National und Provincial Parks, welche die Rocky Mountains überspannen, die wiederum die Grenze zwischen British Columbia und Alberta bilden. Es handelt sich um einen ausgedehnten Landstrich voller hoher Gipfel, Eisfelder, Gletscher, Seen, Wasserfälle, Kalksteinhöhlen, Schluchten, tierreicher Wälder und geologischer Reichtümer. Im Sommer ist diese Ansammlung von Naturschutzgebieten ein Paradies für Wanderer und Paddelfreunde, im Winter ein Ort der Glückseligkeit für Skilangläufer und Schneeschuhwanderer.

Kein Wunder, dass die Cree – ein indigenes Volk – vor lauter Bewunderung über die westlichen Hänge der Rocky Mountains “Yoho” riefen. Wandere zu den tosenden Wapta Falls oder mache Dich auf den Weg zu den Takakkaw Falls, die zu Kanadas höchsten Wasserfällen gehören. Gehe an dem übernatürlich türkisfarben wirkenden Emerald Lake paddeln oder picknicken, und lasse Deinen Blick über die Natural Bridge streifen, wo uraltes Gestein vom rauschenden Gewässer des Kicking Horse geschliffen wurde. Und, auf über 2.000 Metern Höhe wartet das Bergjuwel Lake O’Hara: Der See mit seinen ansteigenden Tälern und seinem Panorama ist ein herrliches Ziel für Trekker.

Taking in the views at Lake O'Hara in Yoho National Park. Photo: @calsnape via Instagram

Der Ausblick auf den Lake O’Hara im Yoho National Park. Foto: @calsnape via Instagram

Gleich nebenan wartet der Kootenay National Park mit einer Kulisse, die von Gletschern überzogenen Gipfeln hin zu halbtrockener Kakteen-Landschaft reicht. Halte Ausschau nach den zottigen Bergziegen, während Du Dir auf Deinem Roadtrip genüsslich den Weg auf dem 94-Kilometer langen, malerischen Banff-Windermere Highway bahnst. Hier tauchst Du in eine natürliche Farbenpracht ein, die Dich vom grünen Olive Lake in der Nähe des Sinclair Pass Summit über den Marble Canyon mit seinen weißen Wänden aus Dolomitstein zu den rostig-orangefarbenen Paint Pots begleitet – Mineralquellen, aus der die indigenen Völker Ockerfarbe schöpften. Deinen Ausflug lässt Du am schönsten mit einem Bad im wohltuenden Wasser der Radium Hot Springs ausklingen.

A hiker on a moraine above Floe Lake in Kootenay National Park. Photo: Kari Medig

Ein Wanderer auf einer Moräne oberhalb des Floe Lake im Kootenay National Park. Foto: Kari Medig

Etwas weiter südlich liegt die unerschlossene Wildnis des Mount Assiniboine Provincial Park, ein Wander-, Ski- und Reit-Revier, das mit Bergwiesen am Fuße glitzernder Gletscher und einem imposanten Gipfel von 3.618 Metern, dem Mount Assiniboine, lockt. Die 1928 erbaute Assiniboine Lodge, die erste Ski-Lodge der Kanadischen Rocky Mountains – ist eine rustikale Ausgangsbasis für Abenteuer, sowohl im Sommer als auch im Winter.

Mit dem Mount Robson Provincial Park wird ein weiterer Gipfel unter Schutz gestellt, nämlich der höchste der Canadian Rockies. Mit 3.954 Metern erhebt sich der Mount Robson über das Quellgebiet des mächtigen Fraser River. Dieses ausgedehnte Naturschutzgebiet, das über den Yellowhead Highway erreichbar ist, lädt zu allerhand Outdoor-Abenteuern ein, wie etwa Angeln, Höhlenklettern, Camping und Wanderungen in der Abgeschiedenheit einer Wildnis, die von Grizzlys, Karibus, Bergziegen und Dickhornschafen sowie von Elchen im Marschland der Niederungen bevölkert wird.

Reflections from Berg Lake in Mount Robson Provincial Park. Photo: @paulzizkaphoto via Instagram

Berg Lake im Mount Robson Provincial Park. Foto: @paulzizkaphoto via Instagram

3. Der Tatshenshini-Alsek Provincial Park

Confluence of the Tatshenshini and Alsek Rivers. Photo: Bruce Kirkby

Am Zusammenfluss von Tatshenshini und Alsek. Foto: Bruce Kirkby

Der Tatshenshini-Alsek Provincial Park befindet sich in der nordwestlichsten Ecke British Columbias und ist Teil einer weiteren zusammenhängenden UNESCO Welterbestätte, der Kluane/Wrangell-St Elias/Glacier Bay/Tatshenshini-Alsek. Diese umfasst 9,8 Millionen Hektar voller Gletscher bedeckter Gipfel, naturbelassener Flüsse, gefährdeter Wildtierarten und einzigartiger Vegetation, die sich bis in das Grenzgebiet zu Alaska und dem Yukon hinaus erstrecken.

Die wildesten Flüsse von BC bahnen sich ihren Weg durch große von Gletschern geformte, u-förmige Täler – Orte von sagenhafter Schönheit, in denen Grizzlybären, Karibus und Dall-Schafe frei und ungestört umherstreifen dürfen. Für das Ökosystem sind diese Täler als Migrationsrouten durch Berge und Eis vom Landesinneren zum Pazifik von lebenswichtiger Bedeutung. Es handelt sich um eine dynamische Landschaft mit eisbedeckten Gipfeln wie jenem des Mt. Fairweather, der mit 4.663 Metern als höchster der Provinz gilt. Keine Straße führt durch diese unberührte Wildnis, doch Ausstatter wie die Canadian River Expeditions machen diese als Reiseziel für Abenteurer zugänglich, indem sie Rafting-, Paddel- und Wandertouren anbieten. Mountainbiker können sich hier außerdem abwechslungsreiches Gelände und ehemalige Bergwerksstraßen erschließen.

4. Das Clayoquot Sound Biosphärenreservat

Reflections from Clayoquot Sound on the west coast of Vancouver Island. Photo: @achilts via Instagram

Reflexionen im Clayoquot Sound an der Westküste von Vancouver Island. Foto: @achilts via Instagram

Die Bewohner British Columbias haben oft und hart für die Bewahrung ihrer Natur und Wildnis gekämpft. Clayoquot Sound an der Westküste von Vancouver Island war der Brennpunkt der Protestbewegung gegen die Abholzung des alten Waldbestandes, was zur Einrichtung des Clayoquot Sound Biosphärenreservats führte; als Biosphärenreservat weist die UNESCO Ökosysteme zu Land und zu Wasser aus, die den Naturschutz konsequent mit einer nachhaltigen Nutzung des Landes verbinden.

Es handelt sich um ein Gebiet von üppiger Vielfalt mit Berggipfeln, Küstenregenwäldern der gemäßigten Breiten und Felsufern, an denen Stellersche und Kalifornische Seelöwen anzutreffen sind. Das Tor zu dieser Wildnis bildet der Küstenort Tofino, wo die Besucher mit diversen Anbietern auf Wal- und Bärenbeobachtungen gehen können, per Kajak zu Grau- und Buckelwalen, Delfinen oder Schweinswalen, zu versteckten kleinen Buchten, auf Wanderungen durch den Regenwald mit seinen 1.000 Jahre alten, riesigen Zedern, oder zu einem Bad in den heißen Thermalquellen der Hot Springs Cove. Lust auf eine Übernachtung in der Wildnis? Dann genieße ein ganz besonderes Erlebnis, indem Du im Herzen des Biosphärenreservats in einem der umwerfenden Luxuszelte des Clayoquot Wilderness Resort übernachtest.

5. SGang Gwaay

Ancient totem poles in SGang Gwaay. Photo: @freeluftsliv via Instagram

Uralte Totempfähle in SGang Gwaay. Foto: @freeluftsliv via Instagram

An British Columbias nördlicher Küste warten die Relikte einer Siedlung der Haida First Nation aus dem 19. Jahrhundert: Die meist in einen geheimnisvollen Nebel gehüllte Stätte mit ihrer eindringlichen Aura beherbergt die letzten als Grabpfähle und Ehrenmale geschnitzten Totems, die auf dieser winzigen Insel im Haida Gwaii-Archipel noch stehen. Eingebrochene, dem Verfall geweihte Langhäuser liegen halb begraben unter dem üppig bewachsenen Moosteppich inmitten von Riesenlebensbäumen, die früher für die Herstellung von ozeantauglichen Kanus verwendet wurden, als auch für die Totempfähle, welche die Symbole der Familiengeschichte und die Überreste der Vorfahren in sich trugen.  

Jeden Sommer halten ausgewählte Haida-Männer Wache über dieses Weltkulturerbe. Sie begrüßen und informieren Besucher, die im Zodiac-Boot, Kajak, auf einer der kleinen Luxuskreuzfahrten oder in einem der Segelboote von Anbietern wie Maple Leaf Adventures hier vorbeikommen. Dabei sprechen sie über die 10.000 Jahre alte traditionelle Beziehung ihres Volkes mit Land und Meer, und auch über das mündlich überlieferte, historische Vermächtnis eines indigenen Küstenvolkes, dessen kultureller und gesellschaftlicher Reichtum in den letzten Jahrzehnten beständig auflebt.   

Mehr über die UNESCO Stätten British Columbias erfährst Du hier whc.unesco.org/en/statesparties/CA