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Träumen Raum geben: Die Cariboo Chilcotin Coast Region

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Gastbeitrag von Andrew Findlay

Was macht die Seele eines Ortes aus? Ist es das Land oder sind es die Menschen? In der Region Cariboo Chilcotin Coast in BC trifft beides zu. Natürlich gibt es viele Maßstäbe, die man anlegen kann, um einen Ort zu bewerten: Lebenshaltungskosten, Lebensqualität, die Menge an Grünflächen, um nur einige zu nennen. Wie wäre es mit Persönlichkeiten pro Quadratkilometer? In dieser Kategorie wäre die Gewinnerin zweifelsohne die Cariboo Chilcotin Coast, eine wunderschöne Region, die von den Gipfeln des Wells Gray Provincial Park und den historischen Goldfeldern von Barkerville im Westen über das Chilcotin Plateau und durch den wilden Tweedsmuir Provincial Park hinunter in den Great Bear Rainforest führt.

Die Menschen in diesem Teil der Welt sind widerstandsfähig – so widerstandsfähig wie die Triebe junger Kiefern, Gräser und Wildblumen, die im Frühling ihren Weg durch von Feuer gezeichnete Landschaften und Böden finden. Wenn sie die Möglichkeit hat, erneuert sich die Natur. Und ich habe herausgefunden, dass wiederum die Natur in dieser Region dabei hilft, die Seele zu erneuern.

Ich erinnere mich an die Zeit, sie liegt schon einige Jahre zurück, als ich auf einem grasbewachsenen Hügel im entlegenen Nemiah Valley saß, nicht weit davon, wo Angler ihre Ruten im Chilko Lake auswerfen – einem smaragdgrünen Becken mit den schroffen Coast Mountains im Hintergrund. Rotwild graste auf sattgrünen Wiesen, unter den Espen am Nemiah Creek. Ein Kojote trottete verstohlen durch kniehohes Gras und ein rotschwänziger Habicht kreiste am Himmel, getragen von der Thermik. Dann veränderte sich etwas: Das Rotwild war plötzlich verhalten, die Ohren schräg gestellt. Der Kojote stoppte im Lauf. Ich schaute hinunter ins Tal und sah einen Grizzly über ein offenes Feld tapsen, sah ihn hier und da anhalten und die Erde nach frischen Blumenzwiebeln und Seggen umpflügen. Dieser Grundpfeiler der Tierwelt hatte seine Wildtier-Nachbarn in Alarmbereitschaft versetzt. Das ganze Ökosystem brummte voller Leben.

Hier inmitten des Gebiets der Xeni Gwet’in Nation hat sich die wilde, ungezähmte Landschaft über Jahrhunderte hinweg kaum verändert. Weiter westlich fand man in den 1970er Jahren Petroglyphen unter Moosschichten, die nahe des Thorsen Creek, einem Zufluss des Bella Coola River, von unbekannten Händen in Findlinge geritzt wurden. Es ist eine packende Galerie an Geschichten, die Frösche, Raben, menschlich anmutende Figuren und andere Bilder zeigt, aber die die komplexe und hochentwickelte Spiritualität der Nuxalk nur ansatzweise durchscheinen lässt. Das Volk der Nuxalk sind die indigenen Einwohner des Bella Coola Valley, und die indigene Gegenwart wurzelt hier tief.

A chalet at Bella Coola Heliskiing's Tweedsmuir Park Lodge. Photo: Paul Morrison

Ein Chalet der Bella Coola Heliskiing/Tweedsmuir Park Lodge. Foto: Paul Morrison

Und so verhält es sich auch mit dem Pioniergeist. Nach einem Tag angefüllt mit Heli-Skifahren und Fliegenfischen saß ich ganz entspannt im Gemeinschaftsraum, dem sog. Great Room, der Tweedsmuir Park Lodge. Neben der riesigen Feuerstelle aus Flusssteinen konnte ich die Geschichte förmlich spüren. Es braucht eine echte Machermentalität, um mitten in der Wildnis eine Lodge für Touristen zu bauen, und Tommy Walker hatte sie. Ende der 1920er Jahre arbeitete er in einem Büro einer Londoner Großbrauerei. Gelangweilt und auf der Suche nach Abenteuer besuchte er die kanadische Einwanderungsbehörde, wo man ihm von einem entlegenen Grundstück erzählte, das dort in der Nähe lag, wo der Atnarko River auf den Talchako trifft und sie zum Bella Coola River werden. Walker entschied sich dafür, das Land zu kaufen und eine Lodge zu bauen. Er ist schon vor langer Zeit gestorben, aber sein Erbe lebt weiter mit dem neuen Eigentümer Bella Coola Heli Sports und dessen Hotelmanager Pete “the Swede” Mattson – ein Typ, dessen herzhaftes Lachen und dröhnende Stimme diesen Ort mit so vielen Geschichten füllt, für die ein einziges Leben kaum ausreicht.

People with an adventurous spirit are drawn to Wells for hiking and biking. Photo: Thomas Drasdauskis

Menschen mit Abenteuergeist zieht es nach Wells, um zu wandern und Rad zu fahren. Foto: Thomas Drasdauskis

An einem Septembertag, als sich die Laubbäume gold färbten, zog mich mein Abenteuergeist in den kleinen Ort Wells, östlich von Quesnel, wo ich an der 7 Summits  Bike and Hike Challenge teilnehmen wollte. Dave Jorgenson, ein örtlicher Unternehmer mit sehr viel Gemeinschaftssinn hatte das Event einige Jahre zuvor ins Leben gerufen, indem er auf jedem der sieben Gipfel eine Keksdose deponierte, in der sich Glasperlen befanden. Diejenigen, die am Schluss alle sieben Glasperlen vorweisen konnten, verdienten sich ein kostenloses Stück Cranberrykuchen im Bear’s Paw Café. Der kleine Anreiz war ein cleverer Zug, um die Menschen dazu zu motivieren, jene Orte zu entdecken und zu erleben, welche die bunte Goldgräbervergangenheit von Barkerville prägten. Und so war eine Tradition geboren.

Nach dem Wettrennen schloss ich mich den anderen Teilnehmern im Gemeindesaal von Wells an, wo wir das musikalische Talent dieser winzig kleinen Gemeinde erleben durften. Die Menschen, die diesen Ort ihr Zuhause nennen, haben auch eines der coolsten Sommer-Kulturfestivals der Region initiiert: Das ArtsWells Festival of All Things Arts.

Wells has one of the region’s coolest summer cultural festivals, the ArtsWells Festival of All Things Arts. Photo: Thomas Drasdauskis

In Wells gibt es eines der coolsten Sommer-Kulturfestivals der Region, das ArtsWells Festival of All Things Arts. Foto: Thomas Drasdauskis

Diese Landschaft scheint Menschen mit großartigen Ideen und dem Gespür für das Einzigartige hervorzubringen. Dies begegnete mir wieder, als ich eines Frühlings tief in das Land der Cowboys und Viehherden zur Echo Valley Ranch & Spa reiste, nicht weit davon entfernt, wo der Big Bar Creek in den Fraser fließt.

Während ich eine Thai-Massage in einem Gebäude genoss, das direkt aus Bangkoks Großem Palast hätte stammen können, ging die Sonne in rosa-orangen Tönen über der Bergkette Marble unter und der Chef-Cowboy führte ein Viehherde raus auf die Weide. Nur eine Stunde zuvor hatte ich einen Schwarzbären gesehen, der friedlich Seggen und Wildblumen fraß. Die Eigentümer, Norm Dove und seine aus Thailand stammende Frau Nan, haben meinen Eindruck bestätigt, dass das Erlebnis Ranchurlaub weit mehr sein kann als nur Cowboystiefel und -hüte.

Echo Valley Ranch and Spa has unexpected, unique Thai-style architecture.

Echo Valley Ranch & Spa weist eine – unerwartete – einzigartige thailändische Architektur auf.

Die Region Cariboo Chilcotin Coast hat das gewisse Etwas, das Träumen den Raum gibt, sich auf individuelle Weise zu entwickeln. Sie liegt dort, wo Flüsse und Seen voller Lachse und Forellen sind, wo Berge wie die Rainbow Range im Tweedsmuir Park geologische Geschichte in einem Kaleidoskop aus Farben schreiben und wo sich weite, offene Himmel über hügeligen Viehweiden und Bauernhöfen auftun.Wenn Du dieses Land und seine Menschen besuchst, werden sie für immer einen Platz in Deinem Bewusstsein finden. Mir jedenfalls sind alle Ausreden willkommen, um wieder zurückzukehren.

Titelbild: Reiten auf der Echo Valley Ranch & Spa. Foto: Blake Jorgenson