Mit dem Wohnmobil British Columbias unbekannte Schönheit entdecken: the White Pass

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Im äußersten Nordwesten von British Columbia versteckt sich ein spektakuläres Wildnisgebiet, welches nur von wenigen Menschen besucht wird. Dabei wissen viele von ihnen überhaupt nicht, dass sie sich in BC befinden. Dies verwundert nicht, sind doch alle drei Straßen, die durch diesen Landstrich führen, die Atlin Road, der South Klondike Highway und der Haines Highway nur über das Yukon Territory zugängig.  

Wer die Wildnis liebt, findet hier praktisch unbegrenzte Erholungsmöglichkeiten vor. Der White Pass, der sich unweit vom südlichen Ende des South Klondike Highway, 24 km nördlich von Skagway, Alaska befindet, gehört das ganze Jahr über zu den beliebtesten Attraktionen in der Region. Mit einem Mietwagen vom Flughafen in Vancouver sind es 2.470 km bis zum White Pass, auf kürzestem Wege!

An illustrated map of White Pass in British Columbia.

The White Pass.

Am White Pass gibt es keine Campingplätze, aber entlang der Straße finden sich diverse Stellen, die  sich für einen längeren Stopp anbieten sowie an der Kilometermarke 25,1 ein Rastplatz mit einer großartigen Aussicht. Dort konnte ich Anfang Juli drei Nächte lang campen. Die nächsten ausgewiesenen Campingplätze befinden sich in Skagway, 24 km südlich, und in Carcross, im Yukon, etwa 82 km nördlich. Erst kürzlich wurde ein von der Regierung des Yukon Territoriums in Auftrag gegebener Campingplatz in der Geisterstadt Conrad, 66 km nördlich des Passes fertiggestellt.

Sowohl der Rastplatz als auch die anderen Stellen bieten trotz ihrer Lage am Straßenrand ruhige Fleckchen, an denen das Campen erlaubt ist. Tagsüber herrscht kaum, nachts gar kein Verkehr, da der Grenzübergang nach Alaska von Mitternacht bis morgens um 7.00 Uhr gesperrt ist.

An RV parked at the bottom of a mountain range.

Wildblumenpracht im White Pass.

Auf den ersten Blick erscheint der White Pass als eine unwirtliche Welt aus Granit, gespickt mit unzähligen Seen. Schaust Du aber etwas näher hin, siehst Du inmitten des kurzen Sommers viele Wildblumenarten, Moose und Flechten, welche die Erde wie ein Teppich bedecken. Um einige dieser Pflanzen genauer zu betrachten, musst Du Dich gelegentlich hinknien. Die Bergwelt zu entdecken kann für manche ein einzigartiges Erlebnis sein. In den letzten 25 Jahren habe ich viel Zeit im White Pass verbracht. Dieses Jahr scheint mir besonders fruchtbar zu sein, womöglich wegen eines extrem warmen Monats Mai, der den Schnee früh schmelzen ließ und anschließend eines eher regenreichen Monats Juni.

Blooming wildflowers in a rocky landscape.

Wildblumenpracht im White Pass.

RVing BC's unknown corner: the White Pass 2

Bei der Erkundung der winzigen Bergblumen im White Pass.

Obwohl sich ein Großteil dessen, was den White Pass so ansprechend macht, im Hinterland befindet, wird Dir auch entlang der Straße viel Schönheit und Freude zuteil. Der Summit Creek liegt nur 4.2 km nördlich des Rastplatzes, während Dich ein kurzer Spaziergang über den Granit von einem der beiden großen Parkplätze aus zu einem wunderschönen weißen Sandstrand führt, wo der Bach in den Summit Lake mündet. Meine Hunde, Bella und Monty, lieben es diesen Teil des Ufers zu erkunden und in dem seichten Wasser zu spielen. Hier wirst Du nur selten eine andere Menschenseele antreffen.

Two dogs walk through shallow water on a beach.

Bella und Monty erkunden den Strand an der Mündung des Summit Creek.

Im White Pass gibt es keine ausgewiesenen Wanderwege, dafür aber zwei recht viel genutzte Trails, einen an den International Border Falls in der Nähe des Gipfels, der andere zum Bryant Lake, oberhalb der Siedlung Fraser, wo das kanadische Zollamt, Canada Customs (CBSA) und das Department of Highways (Straßenbauamt) gelegen sind. Beide Trails bieten sich sowohl für Tages- als auch Mehrtagestouren an und eröffnen großartige Ausblicke auf die Gletscher. Der Trail an den International Border Falls beginnt mit einem steilen Abstieg von einem der großen Parkstreifen am Highway, am Kilometer 24,3. Er verläuft weiter entlang des Baches, der mehr oder weniger fortwährend von Wasserfällen und Kaskaden gesäumt ist, hin zu einer Reihe von Seen auf der Alaska-Seite der Grenze auf einer Höhe von 1.250 Metern. Hier ist kein Grenzschutz zu finden, denn die Zollstationen sind einige Kilometer weiter nördlich und südlich der eigentlichen Grenze etwas weiter unten angesiedelt, wo die Winter nicht ganz so rau sind.

A rocky landscape with snow-capped mountains in the background.

Der Trail an den International Border Falls beginnt spektakulär und wird immer besser.

Diesem Trail den Rücken zu kehren, wird Dir schwer fallen. Unabhängig davon, wie Deine Pläne aussahen, als Du Dich auf den Weg gemacht hast, die Ausblicke werden einfach nur noch besser und besser. Wie John Muir in Yellowstone befand, und ich selbst häufig finde, wenn ich auf diesem Trail unterwegs bin: “Die Berge rufen, und ich muss los.” Obwohl wir bei unserem letzten Ausflug nicht sehr weit gewandert sind, so haben wir es doch bis zu den Seen und weit darüber hinaus geschafft. Die Aussicht auf die Gletscherwand und auf den weltberühmten Chilkoot Trail darunter wird Dir in Erinnerung bleiben.

A hiker and his dog hike past a small waterfall in a rocky landscape.

Im Hochland wandern auf dem International Border Falls Trail.

Der Weg zum Bryant Lake startet auf der gegenüberliegenden Seite des Highways von einem großen Parkstreifen am Kilometer 35,2. Ein breiter Trail führt zu einer alten Straße, die früher für den Bau eines kleinen Erddammes diente, um Fraser mit Wasser aus dem Bryant Lake zu versorgen. Anschließend führt ein eher unebener, naturbelassener Weg rund um den See.

A small lake nestled at the base of a mountain range.

Der Trail entlang des Bryant Lake.

Das westliche Ende des Bryant Lake lockt mit wundervollen Stellen zum Campen und unterhalb mit einem riesigen, seichten Bereich, dessen Gletscherwasser beinahe badetaugliche Temperaturen erreichen kann. Beinahe. Jenseits des Sees lockt ein weites, grasbewachsenes Tal jene, die noch Zeit und Kraft haben, um weiterzugehen, obwohl es hier keinen ausgewiesenen Pfad gibt.

A man in swim trunks wades through the shallow waters of a lake.

Abkühlung im Gletschersee Bryant Lake.

Im White Pass geht es nicht nur darum zu schwitzen. Auf dem Highway begegnet einem stundenlang keine andere Menschenseele und die nördlichen Sommer mit ihrem sehr frühen Sonnenaufgang und sehr späten Sonnenuntergang schaffen einen wundervollen Rahmen, um einfach im Campingstuhl vor dem Wohnmobil zu entspannen und dankbar zu sein, dass man an einem solchen Ort sein darf.

A highway winds through a rolling landscape under a gold sunset.

Abseits der Wanderwege zu gehen mag nicht jedermanns Sache sein, aber ich liebe es und könnte noch viele weitere Jahre jedes Mal auf einer anderen Route den White Pass unsicher machen. Bei unserem letzten Besuch bin ich mit einem Freund aus Alaska das erste Mal östlich des Highways entlang der Grenze zwischen British Columbia und Alaska (Kanada/USA) gewandert. Auf dem untenstehenden Foto sieht man den Highway und den Summit Lake in der Ferne.

A man poses with his two dogs in the middle of a rocky landscape.

Eines der Monumente an der Grenze zwischen BC und Alaska im White Pass

Kurz nachdem das obige Foto geschossen wurde, sind wir auf einem anderen Weg zum Auto zurückgekehrt. Wären wir jedoch etwa eine halbe Stunde weiter in Richtung Osten über den Grat bis hinter Monty (siehe untenstehendes Foto) gewandert, so wären wir an der historischen White Pass & Yukon Route Eisenbahn-Linie angekommen, die im Sommer die Verbindung zwischen Skagway und Carcross schafft.  

A dog relaxes in the low grass of a mountainous landscape.

Ein Wanderweg-Paradies für Hunde – Warme Sonne und ein weiches Pflanzenbett.

Nicht zuletzt sei da noch das Kanufahren erwähnt. Am Bernard Lake direkt bei Fraser befindet sich eine Slipanlage für Boote, doch über eine kurze und recht einfache Überführung vom Randstreifen des Highways aus ist der etwas größere und auch interessantere Summit Lake erreichbar.

Two dogs sitting in the front of a canoe.

Bernard Lake. – Ein Paradies für Kanufahrer. Warme Sonne, ruhiges Wasser und völlige Stille, bis auf das Geräusch eines in der Ferne liegenden Wasserfalls.

Die oben genannten Vorschläge stellen nur eine Kostprobe dessen dar, was der White Pass zu bieten hat. In diesem unerschlossenen Teil von British Columbia wartet an jeder Ecke ein neues Abenteuer.