Made in Kootenay: Crawford Bay und seine Kunsthandwerker

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Die Reise nach Crawford Bay in der Nähe von Nelson bereitet mir immer Freude. Diese Überfahrt strotzt einfach nur so vor landschaftlicher Schönheit, von Terminal zu Terminal. Es handelt sich dabei auch um die längste kostenfreie Fährverbindung der Welt, so dass mir genügend Zeit bleibt um auf dem Oberdeck in der Sonne zu sitzen und meine Kamera sinnvoll einzusetzen.  

Meistens bin ich auf dieser Reise mit dem Pickup meines Freundes unterwegs. Hier in der West Kootenay Region gibt es viele Forstwege, die Dich an Orte führen, an denen Du wahrscheinlich mehr Grizzlybären als Menschen sehen wirst. Doch heute bin ich Richtung Stadt unterwegs. 

Oder sagen wir eher Dorf… Crawford Bay hat grob geschätzt 300 Einwohner und diese Zahl hängt von der Saison ab. In der Hochsaison erwacht der Ort zum Leben. Dies mag auf das Konto der zahlreichen talentierten Menschen gehen, denn die Gemeinde ist so reich an Kunsthandwerkern wie die Fährenroute an landschaftlichen Reizen. 

In der Hauptstraße von Crawford Bay reiht sich einheimische Kunst Tür an Tür – von Webereien bis hin zu Holzmanufakturen. Während meines Besuchs an einem Freitag machte ich allein an acht verschiedenen Läden halt. Jede Person hinter dem Ladentisch (oder hinter der Webmaschine) hatte viel zu erzählen, auch über die Entstehungsgeschichte ihrer Werke. Und sie alle hatten eines gemeinsam:  Leidenschaft – und diese kommt ganz klar in ihren Werken zum Ausdruck.

BC Map Nelson Nelson
Der Webstuhl in Aktion.

Barefoot Handweaving

Ihre Webmaschine kennt Janet wie ihre Westentasche. Sie kennt auch die Geschichte der Webtechnik. So zeigte sie mir antikes Handwerkszeug, erzählte von der Herstellung der Fasern und verriet mir außerdem, wie sie ihrer Mutter das Weben beibrachte. Sie schilderte, wie die Frauen in ihrer Gemeinde alle unter einem Dach zusammenfanden, um ihre unterschiedlichen Fertigkeiten einzubringen und jene Werke zu kreieren, die nun in Janets Laden hängen und in den Regalen ausgestellt sind.  

Die Garne, die sie bei Barefoot Weaving benutzt und die in vom Boden bis zur Decke reichenden Fächern gestapelt sind, sind schöner als jede Wandtapete. Ihre Farbpalette spiegelt sich in den Stücken wider, die in ihrem Laden zu sehen sind – einem Strohballenbau, den Janets Mann selbst entworfen und eigenhändig errichtet hat. 

Als sie dann wieder an ihrem Webstuhl saß, verriet sie mir so einiges Staunenswertes darüber, wie ein Stück Stoff – zum Beispiel jenes, an dem sie gerade so sorgfältig arbeitete – letztendlich Verwendung finden würde. Wenn die Stoffe geschnitten werden, wird jedes stufenweise kleiner werdende Stückchen in etwas genial Kreatives verwandelt. Noch beeindruckender ist jedoch, dass jede Etappe, die ein Produkt bis zu seiner Fertigstellung durchläuft, vor Ort durch die Frauen aus Crawford Bay bewerkstelligt wird, vom Weben bis hin zum Knüpfen.

Handgefertigte Unterteller und Tasse

Dog Patch Pottery

Das Erste, das mir in der Dog Patch Pottery ins Auge fiel, war ein zart-goldener Farbton. 

Als ich mir die Stücke, die Lea fertigte, genauer ansah, bemerkte ich, dass es sich hier um einen Stilmix handelte. Einige davon würden gut in eine rustikale Hütte passen, andere wiederum sind asiatisch inspiriert oder aber sie muten fröhlich und verspielt an. Tageslicht und eine warme Beleuchtung im Inneren brachten die Unterschiede geschickt zur Geltung, je nachdem von welcher Lichtquelle sie angestrahlt wurden und von welchem Standpunkt aus man sie betrachtete.

Da gab es diese Ramen-Schale mit Essstäbchen, in deren Rand diese ordentlich und hübsch abgelegt werden können, und dann noch dieses Stück mit Wellen-Muster, das mich an die Schnitzarbeiten der Maya erinnerte, welche ich während meiner Kindheit in Mexiko gesehen hatte. Doch meine größte Aufmerksamkeit galt einer Glasur, die ich so verwendet noch nie gesehen hatte. Ein hauchfeiner Goldschimmer war an einem Set aus Tasse und Untertasse aufgetragen worden, so dass diese mit dem Licht flirteten – und mit meinem Auge – während ich inmitten der zahlreichen anderen ausgestellten Objekte daran vorbei ging.   

Das Emaillieren von Schmuck

Fireworks Copper & Glass

Die Materialien, mit denen Helen arbeitet, sind winzig.

Verstreute Glasstäbchen, kaum dicker als eine Drahtlitze, Miniaturlöffel und -siebe, Töpfe voller farbigem, zerstoßenem Glas – so fein wie Sand: Mit diesen verziert sie die Grundlage aus Metall, bevor sie diese sorgfältig in einen Brennofen neben ihrem Arbeitstisch schiebt.  

Im Fireworks Copper & Glass muss Helene schnell arbeiten um die Innentemperatur des Ofens konstant zu halten. Mit der Spitze eines langen Metallstabs zieht sie die Farben des nun geschmolzenen Glases in strudelartige Formen oder in Zickzacklinien. 

Das warme Glühen trägt zu diesem faszinierenden Schauspiel bei. 

Schließlich zieht sie die Stücke raus. Während sie abkühlen, verändern sich die Farben des emaillierten Glases, bis sie sich in ihrer finalen Form und Farbe verhärten. Die Objekte, die sie hier kreiert, können alles Mögliche schmücken, vom Dekolleté bis hin zum Schmiedewerk aus Eisen, das von ihren Nachbarn bei Kootenay Forge gefertigt wird.

Ring-Kollektion mit Flusssteinen

La Gala Jewelry

Galadriels Laden funkelte.

Zwar nicht in der Art, wie Diamanten funkeln, sonder wie etwas, das viel greifbarer scheint. Die beleuchteten Glasvitrinen rücken ihre feinen La Gala Jewelry Metallarbeiten ins Rampenlicht. Daneben finden mit Baumstämmen dekorierte Holzregale ihren Platz, die ihre Schmuckringe präsentieren. Die Kollektion wirkte auf mich wie die unterschiedlichen Facetten einer einzigen Persönlichkeit.  

Ich verbrachte eine Ewigkeit hier, um jedes einzelne Schmuckstück kennenzulernen. Auch wollte ich jeden Aspekt dieser Persönlichkeit in Fotos festhalten. 

Galadriels Kreativität scheint grenzenlos. Sie kreiert filigrane Designs aus Metallen; sie sammelt glatte, unglaublich flache Flusssteine am nahegelegenen See und verarbeitet diese zu Anhängern; und sie gestaltete auch ihren Laden selbst, dessen Look Dich zum Hineingehen verleitet. 

Ein geschnitzter Schwarzbär

Merv, der Holzschnitzer

Am Ende meines Gesprächs mit Merv fühlte es sich so an, als seien wir alte Freunde. 

Beim Betreten seines Ladens wirst Du von seiner Frau, Donna, begrüßt. Du nimmst inmitten von Mervs Werken Platz, und neben jenen anderer einheimischer Künstler, die kein eigenes Geschäft haben. Diesen Gemeinschaftsgeist habe ich auch in anderen Läden im Ort beobachtet, doch hier handelt es sich um eine ganz besondere Zurschaustellung der Talente von Crawford Bay. Dahinter steckt Großzügigkeit. Und sobald Du entweder mit Donna oder mit Merv sprichst, verstehst Du genau, woher diese Großzügigkeit kommt.  

Merv führt mich durch den Bereich, in dem er schnitzt. Dieser ist voller Werkzeug, Öle und zeigt verschiedene Phasen der Fertigstellung. Da ist etwa ein Adler im Flug, eine süße Eule, die über meinen Besuch überrascht scheint und ein kleiner Schwarzbär mit einem neugierigen Näschen, das in meine Richtung zu schnüffeln scheint. Die Schnitzarbeiten werden durch das Holz bestimmt, sagt Merv. Während er schnitzt, lässt er dieses entscheiden, was daraus werden soll. 

Einige werden zu überdimensionalen Darstellungen des Lebenskampfes und der Anfänge der Menschheit, so wie Eva beim Pflücken der verbotenen Frucht. Diese zählen zu den Highlights, die vor innerer Wärme strahlen. Mervs raffinierte Handwerkskunst strahlt vor emotionaler Intensität.

Die vielen unterschiedlichen Besentypen.

North Woven Broom Co.

Es kann gut sein, dass Du hier einen kleinen Harry Potter entdeckst. 

Dieses familiengeführte Unternehmen wurde anlässlich der Veröffentlichung der zwei Harry Potter Bände, Harry Potter und der Orden des Phönix sowie Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, mit der Herstellung von 800 Besen in unterschiedlichen Größen beauftragt. 

Dass das Team also Talent besitzt, liegt auf der Hand. 

Mir wäre es nie in den Sinn gekommen, dass Besen so schön sein können. Doch in den Händen geschickter Kunsthandwerker, die die Geschichte ihres Handwerks verstehen und die bei der Gestaltung des Besens und der Auswahl der Materialien auf altehrwürdige Verfahren setzen, werden diese zu Kunstwerken. 

Im Laden, das zugleich als Werkstatt dient, hängen die Besen in unterschiedlichen Stadien der Fertigung in einer alten Scheune. Im Dachsparren trocknet das Besenkorn nach dem Einweichen. Im hinteren Bereich wird alles gestapelt und geordnet, und vorne hält ein altmodischer Schraubstock das Besenkorn zusammen, während dieses per Hand gebunden wird. Zu den fertigen Stücken, die ich bestaunte, zählten ein Besen mit Stielen aus natürlich gewundenem und gebogenem Manzanita-Holz und andere mit wiederum geraden, nüchtern-praktischen Stielen.  

Hier erfuhr ich also einiges über die Geschichte der Besenherstellung, die von einer Generation Besenbinder an die Nächste überliefert wird. 

Falls Du dorthin reist:

Wenn Du all diese Läden besuchst, bist Du sicherlich vom Frühstück bis zur Mittagszeit beschäftigt. Schaue im Black Salt Cafe vorbei — auch direkt an der Hauptstraße gelegen — und probiere die kreativen Gerichte und köstlichen Happen.

Alle Fotos von Gina Begin

GEPOSTED VON: Gina Bégin

From: Nelson
Although she’s a Florida girl, exploration called her away after the final bell of her high school career. Leaving home to journey westward alone, she chased the sun to Utah. Over the years, she was consumed with skiing, climbing, kayaking, mountain biking and getting lost on back roads. But exploration continued to call. After closing her bakery — which funded college courses and adventure — she stored her possessions for three years and hit the road again, on a quest to reach the distant places of North America. Living in her car, she skied the backcountry of Alaska, slept under the northern lights in the Yukon Territory, ice climbed Colorado's frozen canyons and rock climbed across the continent, photographed Nova Scotia’s coves, backpacked in southern US wildernesses and munched on sugared tamarindo in the jungles of Mexico. But living in a car started to feel limiting, so after seeing the many glories this continent had to offer, she chose the only place fitting for an explorer to spend a lifetime of wild wonder: British Columbia. Dual citizenship in hand, she settled along the Powder Highway in the Selkirks and is now making her home between four walls and deeply wooded mountains.

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