Auf Wildtierbeobachtung in BC: Was es im Herbst zu sehen gibt

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In Kanada spielt die Wildnis eine zentrale Rolle. Dabei hat British Columbia wohl die größte Artenvielfalt zu bieten, von Grünreiher über Grizzlybären bis hin zu Orcas und Trompeterschwänen. Der Herbst ist eine wunderbare Zeit um auf Wildtierbeobachtung zu gehen. Es ist nicht zu heiß und die Espen haben gerade erst begonnen gelbe und goldene Akzente im immergrünen Wald zu setzen, während die Luft eine einladende frische Note bekommt. Begegne wilden Tieren jedoch unbedingt nur aus sicherer Entfernung, d.h. mindestens 30 m oder mehr Abstand halten, und bei Raubtieren wie Bären sogar 100 m. Zur Wildtierbeobachtung eignet sich vor allem die frühe Morgenzeit oder die Abenddämmerung, wenn die Tiere am aktivsten sind. Nachfolgend verraten wir einige der Top Spots, an denen sich die unglaublichen wilden Bewohner British Columbias gerne blicken lassen.

Grizzlybären an der Küste des Great Bear Rainforest

An der wilden Westküste ist der Herbst die Hochsaison für Grizzlybären, und die auf dem Luftweg erreichbare Knight Inlet Lodge ist ein großartiger Ort, um diese zu sehen. Das Gebiet um Glendale Cove gehört zu den Orten mit der höchsten Dichte an Grizzlybären in der Provinz. Die etwa 80 km nördlich von Campbell River gelegene Lodge hat sich dem Umweltschutz verschrieben und legt großen Wert auf eine – für beide Seiten – sichere Beobachtung der Bären in ihrem natürlichen Lebensraum. Wahrscheinlich wirst Du einige der etwa 50 Grizzly- und Schwarzbären innerhalb eines Radius von 10 km um dieses, auf dem Wasser schwimmenden Wildnisresort sichten. Die Lodge wurde extra so gebaut, um optimale Bedingungen für die Beobachtung von Tieren zu schaffen. Hier kannst Du auch im Kajak entlang der unberührten, mit Regenwald gesäumten Küste ziehen, Dich einer Tour zur Wildtierbeobachtung auf dem Wasser anschließen und bis Mitte Oktober auch Walbeobachtungen machen. Packe unbedingt ein Teleobjektiv ein!

Lachse im Fraser River, in der Nähe von Vancouver

Sockeye-Lachse im Adams River in der Nähe des Shuswap Lake. | Chun Lee

Diese Geschichte kommt einer (wahren) Legende gleich: Jedes Jahr brechen die Wildlachse von Ende September bis Anfang November auf eine strapaziöse Reise auf, vom Ozean zurück an den Ort, an dem sie zur Welt gekommen sind, um am Hauptfluss des Fraser River zu laichen. Hier spielt sich eine der größten Lachswanderungen des Planeten ab. Entlang des 1.375 km langen Wasserwegs kannst Du alle fünf Pazifische Lachsarten sehen, Steelhead-, Coho-, Buckel-, Königs- und Sockeye-Lachse. Solltest Du die erschöpften, purpurroten Fische, die sich ihren Weg flussaufwärts bahnen – vor allem wenn sie am Ende die flache, nördlichen Bäche erreichen – noch nie gesehen haben: Es ist ein überwältigender Anblick. Und natürlich ziehen die verbleibenden Kadaver hungrige Bären, Adler und tausende Möwen an. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, solltest Du eine der Lachsaufzuchtstationen in der Nähe von Vancouver besuchen: Die Chilliwack River Hatchery, Abbotsford’s Fraser Valley Trout Hatchery (in der auch Regenbogen- und Cutthroat-Forellen gezüchtet werden), oder die Capilano Salmon Hatchery in North Vancouver, wo Du Deinen Besuch mit einem Picknick und einer Wanderung verbinden kannst. Informiere Dich hier auch über andere Orte in BC, an denen Du laichende Lachse beobachten kannst.

Dickhornschafe in Radium Hot Springs, Kootenay National Park

Big horn sheep vying for female attention in Radium Hot Springs.

Dickhornschafe rivalisieren um weibliche Aufmerksamkeit in Radium Hot Springs. Foto: Robert Crowe/Radium Hot Springs

Im Frühling und Sommer kannst Du an den Radium Hot Springs in den Rocky Mountains Dickhornschafe sehen. Doch das richtige Drama spielt sich im Herbst während der Brunftzeit im Oktober und November ab. Dann kommen die Sturmböcke der 140 Tiere starken Herde im Ort zusammen, um buchstäblich stundenlang um die Gunst der Weibchen miteinander zu kämpfen. Die 140 kg schweren Junggesellen beschimpfen und treten sich, rasen dann mit 35 km/h aufeinander zu, stellen sich auf ihre Hinterbeine, um sich dann mit unglaublicher Wucht mit ihren 14 kg schweren Hörnern gegenseitig zu rammen. Wie das klingt? Wie ein Vorschlaghammer – so laut, dass Du das Krachen meilenweit entfernt noch hören kannst. Es ist ein solches Spektakel, dass eigens dafür Anfang November ein zweitägiges Headbanger Festival entstanden ist, das mit Ausflügen und Seminaren dieses jährlich stattfindende Ereignis ins Blickfeld rückt. Nach der Show kannst Du in den größten natürlichen Thermalquellen Kanadas baden.

Vögel in Victoria, auf Vancouver Island

Puffin on Vancouver Island. Photo: Eagle Wing Tours/Valerie Shore

Papageitaucher auf Vancouver Island. Foto: Eagle Wing Tours/Valerie Shore

Obwohl ganz BC mit über eine Million gefiederten Lebewesen, die sich jedes Jahr auf den Flugweg entlang der Pazifischen Zugstraße machen, so ziemlich ein Traum für Vogelbeobachter ist, machen Biologen und Vogelspezialisten die Südküste von Vancouver Island als den Hotspot aus. Die milden Winter machen die von Bäumen gesäumten Ufer besonders einladend, sogar für die Feldlerche, die in Nordamerika nicht besonders häufig vorkommt, und seltene Arten wie die Gelbschopflunde, sowie winzige Kolibris, Marmelalke, Waldsänger, und Feuerkopf-Saftlecker. Vor allem am Clover Point auf der Dallas Road in Victoria wimmelt es nur so vor Singvögeln. Der Herbst ist die Zeit, wenn 14 Raubvogelarten ihren Zug antreten, insbesondere die Truthahngeier im East Sooke Regional Park, die in riesigen Schwärmen von 200 bis 1.000 fliegen, um sich für die Überquerung der Juan de Fuca Strait vorzubereiten. Unterwegs sind zu der Zeit auch Schwärme Pazifischer Wasserpieper, Feldlerchen am Flughafen sowie verschiedene Arten Möwen an der Küste.

Elche in Prince George, Northern BC

A moose on the Alaska Highway in Stone Mountain Provincial Park.

Ein Elch am Alaska Highway im Stone Mountain Provincial Park. Foto: Destination BC/Albert Normandin

Elche? Dafür solltest Du Dich nach Prince George begeben, dem Ort, der die höchste Populationsdichte dieser gehuften Giganten in Nordamerika aufweist. Elche sind auch die größte in BC vorkommende Tierart. Tatsächlich leben 70 % der in der Provinz vorkommenden Elche in Northern BC. Die ausgewachsenen Bullen mit ihrem beeindruckenden samtigen Geweih werden bis zu 2 m groß und bis zu 500 kg schwer. Der Spätherbst ist die Brunftzeit, wenn sich die in der Regel solitären Huftiere in Gruppen von 8 bis 10 versammeln, um mit ihren Geweihen zusammenzustoßen. Lausche dem lauten, stöhnenden Ruf der Kuh, die damit ihren Partner anlocken will, aber lasse auch Vorsicht walten, denn die Elche können während dieser Jahreszeit aggressiv sein. Halte insbesondere an Lichtungen und in Tälern Ausschau nach Elchen; Sie mögen vor allem offene Flächen mit vielen Büschen, an denen sie sich sattmampfen können, und Unterholz sowie moorige Bereiche rund um Seen. Am wahrscheinlichsten sind sie dort in den frühen Morgenstunden anzutreffen. Versuche es entweder mit dem Highway 97 von Pine Pass nach Old Friend Creek oder mit dem Highway 16 von Prince George nach Valemount im südlichen Rocky Mountain Trench. Eine weitere Möglichkeit der Beobachtung ist vom Kanu aus, auf dem Crooked River nördlich der Stadt oder im Bowron Lake Provincial Park. Die Chancen stehen gut, dass Du dabei auch Bären, Karibus, Maultierhirsche und tausende Kanadagänse auf ihrem Zug siehst. 

Gehe auf Nummer Sicher, indem Du Dich entsprechend informierst und jederzeit auf Begegnungen mit Wildtieren in BC vorbereitet bist. Wildsafe BC ist eine großartige Informationsquelle, wenn Du sichergehen möchtest, dass Deine Erlebnisse mit der Fauna British Columbias positiv und friedlich verlaufen.  

Titelbild: Great Bear Rainforest | Northern BC Tourism/Ian McAllister