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Im Frühling: Begegnungen mit der Natur und der indigenen Kultur in BC

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“Wenn ich Menschen im Frühling hinaus in die Natur führe, konzentrieren wir uns auf den Wald,” sagt Cease Wyss, eine Kulturführerin und Lehrerin der Squamish und Tsleil-Waututh First Nations. “Dabei möchten sie häufig einen achtsamen Augenblick dort verbringen und eine Verbindung zum Land aufbauen, etwa indem sie ihre Hände auf die Bäume legen oder diese halten – ja sogar umarmen, wenn ihnen danach ist – oder auch indem sie einfach nur still stehen und hinhören, was der Wald zu diesem bestimmten Zeitpunkt macht.”  

The rainforests of British Columbia.

Wenn der Frühling beginnt, leben Traditionen, die seit Jahrhunderten gepflegt werden, bei einer Trekking-Tour durch den Wald wieder auf. Foto: Adrian Brijbassi

Die indigenen Völker verbringen im Frühling nicht nur mehr Zeit in der Natur, sondern sie kommen auch bei einem Festmahl zusammen, um das Ende des Winters und den Beginn wärmerer Tage zu feiern. Wie bei vielen Ritualen, spielt das Essen auch hier eine wesentliche Rolle. Gereicht werden traditionelle Speisen wie Lachs, Bannock (ein ungesäuertes Fladenbrot) mit Beerenmarmelade sowie Eintopfgerichte mit Wildfleisch wie Hirsch, Wapiti und Elch.

Traditional First Nations salmon bake on Spring Island.

Traditionelles Lachsgrillen mit der indigenen Gemeinde auf Spring Island, südlich der Brooks Peninsula. Foto: Mason Mashon

“Unsere größten Feste finden im Herbst statt. Dann zieht es unsere Leute raus aufs Meer, um Fisch zu fangen, oder sie gehen jagen und ernten die Früchte und das Gemüse, die den Sommer über gewachsen sind. In der Frühlingssaison ist die Ernte nicht so ergiebig. Deshalb geht es dann vor allem um die Zeremonie.” erklärt Wyss. “Wir denken an die nächste Saison, und malen uns aus, wie diese wohl sein wird. Dabei hoffen wir, dass das Land wieder in guter Gesundheit und mit guter Nahrung zum Leben erwacht. Wir lassen spirituelle Leute kommen, die das Land bearbeiten, zum Beispiel mit reinigenden Räucherritualen und speziellen Pflanzzeremonien. Wir bauen Pflanzen an, die wir für die Räucherituale benötigen, darunter Tabak oder eine Art Salbei, der hier heimisch ist.”

Stanley Park has more than 27 kilometres of forest trails.

Auf einem Spaziergang durch den Stanley Park offenbart sich die Mythologie, die mit den sagenumwobenen Bäumen des Parks verbunden ist. Foto: Julia Pelish/Vacay.ca

Die Nahrungsmittel im Frühling sind erdig, wobei Bischofsstäbe, Knospen und Brennnesseln am häufigsten Verwendung finden. “Bei Brennnesseln kann man die Sprossen pflücken und diese kochen, und darüber hinaus Tee daraus machen. Tees zählen zu den bedeutendsten Elementen der Frühlingszeremonie.”, sagt Wyss. Da sich die Mehrzahl der Pflanzen erst noch vom Winter erholt, stehen bei den Potluck Dinner während der Tagundnachtgleiche im Frühling Bannock-Brot, traditionelle Marmeladen aus Beeren und Tee im Mittelpunkt.

Für die indigenen Bevölkerungsgruppen von heute sind die Zeremonien besonders ergreifend, gingen die Details zu ihrer Durchführung in der Zeit der “Residential Schools” doch beinahe verloren. Damals riss die Regierung Kanadas indigene Kinder aus ihrer Gemeinschaft heraus, um diese nach einem strikt auf die allgemeine kanadische Kultur, Sprache und Geschichte ausgerichteten Lehrplan zu unterrichten. Wyss, deren Mutter eine solche internatartige Schule besuchte, gehört nun zu jenen Leitfiguren in ihrer Gemeinschaft, die sich für die Wiedereinführung von althergebrachtem, überlieferten Brauchtum einsetzt.  

“So viele Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, wurden aus ihren Gemeinden herausgerissen, oder ihre Eltern wurden herausgerissen. Ihnen fehlte deshalb das Wissen darüber, was ihre Vorfahren bei den Zeremonien taten. Deshalb versuchen wir, sie möglichst behutsam wieder an die Verbindung mit der Erde und mit ihrer Geschichte, aber auch mit den Ritualen, die damit einhergehen, heranzuführen.”, erklärt sie. “Als ich meine Mutter nach unserer Geschichte fragte, sagte sie, dass sie dafür sehr tief in ihren Erinnerungen kramen müsste, nämlich bis zu ihrer Zeit als Fünfjährige. Sie erzählte mir, dass Familien damals nach Squamish gingen, zum Angeln, zum Beerenpflücken oder um das, was vom Winter noch übrig geblieben war, zu jagen. Sie bereiteten ihr Zuhause für den Sommer vor, während sie die Beeren reifen ließen und etwas Wurzelgemüse sammelten.”

Takaya Tours First Nations Canoe Adventures on Indian Arm in North Vancouver.

Takaya Tours First Nations Canoe Adventures am Indian Arm in North Vancouver. Foto: Albert Normandin

Wer British Columbia besucht, kann mit Veranstaltern wie Takaya Tours, für die auch Wyss arbeitet, die Frühlingszeremonien miterleben. Der in North Vancouver ansässige Anbieter gehört den Tsleil-Waututh First Nations und wird auch von diesen betrieben. Takaya führt Gruppen auf Touren in traditionellen, eigens für das Paddeln auf dem Ozean hergestellten Kanus, auf Naturlehrwanderungen sowie zu anderen Ausflügen.

Talaysay Tours, ein weiterer Tourenveranstalter der Coast Salish First Nation, nimmt seine Gäste auf “Talking Trees”- (auf Deutsch “sprechende Bäume”) Touren mit. Dabei werden die Legenden, die sich um einige der ältesten, majestätischsten Bäume im Lower Mainland von British Columbia ranken, erzählt. Ihre Naturlehrwanderungen führen durch die Wälder im Stanley Park von Vancouver und in den Porpoise Bay Provincial Park an der Sunshine Coast.